Überarbeitung - Freude oder Graus?


Autor*innen kennen diese Situation. Das Wort ENDE ist unter das Manuskript geschrieben. Der Weg war weit und mit vielen Fallen gespickt. Man freut sich, macht Jubelsprünge. Und dann ... Die große Frage.

Was kommt jetzt?

Tja, wenn du nicht zu den wenigen Prozent der schreibenden Zunft gehörst, die während des Schreibens schon überarbeiten – Jackpot. Du hast eine Überarbeitungsrunde gewonnen.


Um dir das Ganze etwas zu erleichtern, haben wir dir die wichtigsten Punkte (ganz subjektiv) zusammengeschrieben.


Nach dem Wort Ende ...


Würde ich das Ganze erstmal ruhen lassen. Mit Abstand und Zeit dazwischen erkennt man Fehler, die man vor lauter Betriebsblindheit, während des Schreibens nicht mehr sieht.

Während der Schreibphase hast du viele Details im Kopf, es klingt alles schlüssig. Dein Hirn denkt sich Fehlendes beim Lesen einfach hinzu, weil du es ja weißt – aber deine Leser später nicht.

Kill your Darlings – auch etwas das leichter wird, umso weiter ich mich von den Darlings entferne.



Formwechsel


Hast du schon einmal versucht, dir deine Geschichte selbst vorzulesen? Dein Manuskript auszudrucken (großer Vorteil – du kannst dir direkt Notizen machen)? Oder umweltbewusst, es als E-Book zu lesen?

Oft reicht eine kleine Veränderung, um dir einen neuen Blickwinkel auf dein Werk zu erschließen. Stell dir z.b. die Frage: Lässt sich mein Text flüssig Lesen oder „stolpert“ mein Hirn an gewissen Stellen?


Überarbeitungsschritte unterteilen

Es ist kaum möglich, sich auf alle Schritte, die für eine Überarbeitung wichtig sind, gleichzeitig zu konzentrieren.


Es ist sinnvoll sich das Ganze in kleinere Einheiten zu unterteilen. Ich z.B. habe vier Durchgänge:

  1. Sind meine Figuren konsistent und authentisch? Mögen sie vorher Sushi und Pizza nicht und dann plötzlich andersherum? Benehmen sie sich von Anfang bis Ende gleich? Haarfarben? Bleiben sie ihrem Stil treu?

  2. Habe ich Plotholes übersehen? Die können klein sein (eine Tür lässt sich plötzlich öffnen, obwohl sie versperrt war), oder so groß, dass die ganze Welt darin verschwindet (woher hat die Heldin das schwarze Loch, mit dem sie die Gegner einsaugt?) Sind Gegenstände plötzlich weg oder da? Sind die Aktionen der Protas überhaupt durchführbar (bezogen auf die jeweilige Welt)?

  3. Kürzen! Zumindest dann wenn du, genauso wie ich, dazu neigst dich in Geschichten rein zu schreiben. Das ist für uns als Schreibende viel leicht wichtig, für den Leser meistens langweilig. Füllwörter streichen, lange Sätze kürzen. Beschreibungen knackiger machen.

  4. Rechtschreibung & Schreibstil: Aus gutem Grund der letzte Durchgang. Solltest du bei den vorigen Runden etwas gestrichen haben, hättest du es umsonst korrigiert.


Der Weg des Überarbeitens....

Suche deinen individuellen Pfad. Für jeden Schreibenden gibt es die „perfekte“ Form der Überarbeitung. Sie muss zu dir und deinem Stil passen.


Und das Wichtigste überhaupt: „Der erste Entwurf von allem ist scheiße!“ ( Ernest Hemingway). Also ran ans Überarbeiten – nicht prokrastinieren.

9 Ansichten0 Kommentare

Ähnliche Beiträge

Alle ansehen