5 Fragen an … Kathinka Engel

Kathinka Engel hat allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft studiert und arbeitete daraufhin bei einer Literaturagentur sowie einem Literaturmagazin und war als Übersetzerin und Lektorin für diverse deutsche Verlage tätig. Dann machte sie den Sprung zur anderen Seite und wurde Autorin.

2019/2020 veröffentlichte sie ihre erste Trilogie – die Finde-mich-Reihe. 2020 folgte die zweite Trilogie – die Love-is-Reihe. 2021/2022 machte sie die Trilogie vollständig, indem sie die dritte rausbrachte - die Shetland-Love-Reihe. (Foto: © Diane von Schoen)


Wie kam es dazu, dass du aus deiner Studienentwicklung, aus deiner Arbeit dann irgendwann beschlossen hast: ich übersetze nicht nur, ich lektoriere nicht nur das, was andere geschrieben haben, sondern ich schreibe jetzt selber?


Kathinka: Ja, das war erstaunlicherweise eine Entscheidung, die ich ziemlich spät getroffen habe. Ich habe erst 2018 angefangen zu schreiben und dann aber auch gleich mit dem Plan, das zu einem Roman zu machen, zu einer Reihe auch zu machen und das bei einem Verlag unterzubringen. Also das war dann gleich sehr ernst. Und das erstaunliche ist eigentlich, dass ich überhaupt jemals dahin gekommen bin, weil ich mein ganzes Leben lang dachte, ich bin zwar jemand, der für Literatur brennt und lebt und deswegen war auch für mich völlig klar, dass ich Literatur studieren würde und dass ich auch danach mit Literatur arbeiten wollen würde. Aber ich habe nie gedacht, dass ich schreiben könnte. Oder dass ich schreiben wollen könnte. Das klingt jetzt im Nachhinein super seltsam, aber das war irgendwie nichts, was so richtig in meiner Vorstellung von mir selbst vorkam. Und dann hatte ich einen schicksalsträchtigen Abend im Biergarten mit einer Freundin und ich hatte plötzlich die Idee für den Plot von „Finde mich jetzt“ und habe dann zu ihr gesagt: „Ich schreib‘ das. Ich will das machen.“ Und habe mich am nächsten Tag hingesetzt und habe die ersten Sätze geschrieben. Die sind auch noch genauso in dem Buch drin tatsächlich, im zweiten Kapitel. Und das war der Moment wo ich so dachte: „Wieso hast du erst jetzt damit angefangen, bist du bescheuert?“

Amy: Besser spät als nie.


Kathinka: Genau, so kam das. Ich wollte immer was mit Literatur machen, aber ich wollte eigentlich nie schreiben, weil ich es nie ausprobiert habe. Und in dem Moment, wo ich mich getraut habe, es auszuprobieren, habe ich meine große Liebe entdeckt.


Miri: Oh mein Gott, das ist irgendwie schon die Love-Story direkt am Anfang dieser Folge. Ich finds sehr cool. Das zeigt nämlich, dass es nicht unbedingt immer einen Love-Interest braucht, um Liebe zu finden.


Amy: Und es zeigt auch: wir haben ganz häufig Gäste – und auch wir selbst, die sagen – „Nee, ich habe schon, sobald ich lesen konnte, sofort angefangen die ersten Bücher zu schreiben. Man sieht genauso: es kann einen auch plötzlich überkommen.


Kathinka: Ich bin da tatsächlich in der Bubble ein bisschen die Ausnahme, würde ich fast sagen. Also tatsächlich die meisten meiner KollegInnen, die haben schon deutlich länger, oder eben, genau wie du gerade gesagt hast, seit sie denken können schreiben sie irgendwie, wollten sie auch schon immer machen, wollten schon immer AutorInnen werden und bei mir ist es irgendwie so ein bisschen ein späterer Traum.


Miri: Ja, aber du hast ihn dir erfüllt und das ist das was zählt.



War für dich von Anfang an klar, dass du dann in diesem Genre – im Bereich Romance – bleibst? Die Idee hattest du ja praktisch dazu. War das dann für dich von vorneherein klar, dass du da bleibst oder hältst du dir das auch immer noch offen, dass sich das verändern kann?


Kathinka: Also, sag niemals nie. Ich will jetzt nichts per se ausschließen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich unglaublich gerne Liebesromane schreibe. Also ich bin ja jetzt gerade noch in dem Genre New Adult – oder in dem Sub-Genre New Adult unterwegs – also für jüngere LeserInnen. Vor allen Dingen Leserinnen, muss man sagen. Und ich würde mir auf jeden Fall offenhalten, mal was Erwachseneres zu schreiben. Da habe ich auch schon so die eine oder andere Idee die ich gerne mal probieren möchte. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich tatsächlich irgendwas schreibe, was kein Liebesroman ist, weil ich das als Genre superspannend finde und das schön finde und das ja auch so ein bisschen ein Stück weit auch beim Schreiben Eskapismus ist. Und ehrlich gesagt: wenn ich irgendwohin escape, dann möchte ich, dass es da schön ist. Wenn ich jetzt irgendwie einen Thriller oder so schreiben würde oder so, wäre es da nicht so cozy.


Amy: Da würde man sich dann fragen, was im echten Leben abgeht, wenn man lieber in nem Thriller unterwegs wäre.


[…]


Miri: Ja, aber das kann ich verstehen, dass dieser Ausweg dann auch einfach schön sein darf. Umso schöner, wenn man es sich dann selber auch so schön schreiben kann.


Kathinka: Genau. Es war am Anfang halt auch tatsächlich so, dass ich noch Vollzeit als Lektorin gearbeitet habe. Und da hätte ich mir tatsächlich nicht vorstellen können, dann nach Feierabend in irgendwelche Geschichten abzutauchen, die so überkomplex sind. Da will man was Schönes, was Leichtes, was fürs Herz. Jetzt habe ich das zu meinem Hauptberuf gemacht, tatsächlich. Jetzt schreibe ich nur noch. Aber auch jetzt habe ich irgendwie nicht so richtig das Bedürfnis, andere Geschichten zu erzählen. Ich habe tatsächlich eine Idee für einen Krimi, aber ich weiß nicht wie ich die schreiben würde. Das ist einfach nur so ein Gag gewesen, den ich mal hatte.


Miri: Na, wer weiß. Vielleicht fließt es ja irgendwann mal mit ein.


Kathinka: Genau. Ich würde es nicht ausschließen, aber grade im Moment habe ich nicht so das Bedürfnis.


Weil ich Neugierig bin, so zum Thema „beruflicher Werdegang“: Hast du damals auch von Anfang an für Romance lektoriert, beziehungsweise überhaupt für Romance, oder wie ging das?

Kathinka: Ich habe tatsächlich angefangen im Sachbuchlektorat und bin dann nach London gegangen und habe freiberuflich in London noch weiter für das Sachbuchlektorat gearbeitet und bin in London dann in einen Ebook-Verlag gekommen, wo ich Fiction gemacht habe. Ausschließlich Fiction. Das war Genrefiction und das war vor allem Dingen Krimi und Thriller und Liebesromane. Und das habe ich dann, als ich zurück nach Deutschland gegangen bin, auch weitergemacht und die Liebesromane waren aber tatsächlich immer so ein bisschen stärker vertreten, als Krimi und Thriller – auch wenn ich das auch gerne gemacht habe als Lektorin. Aber irgendwie waren die Liebesromane präsenter.


Du hast es gerade angesprochen: Du warst in London, du warst dort zum Arbeiten, aber du hast dort auch länger gelebt. Deine Romane spielen ja auch eigentlich alle irgendwie im englischen Setting. Ist das so deine Herzensheimat, wohin du gerne wieder zurückkehren möchtest?

Kathinka: London auf jeden Fall, ja. Also, wäre der Brexit nicht gekommen, weiß ich auch garnicht, ob ich zurückgekommen wäre, ehrlich gesagt. Also ich bin nicht nur wegen Brexit gegangen, ich bin auch gegangen, weil es mit meinen damaligen Chefs nicht so ganz einfach war und wir haben uns so ein wenig einvernehmlich im Streit getrennt. Und dann ist es halt so, dass London zu teuer ist, um es da freiberuflich zu probieren, um sich da was aufzubauen.

Deshalb bin ich zurück nach München gegangen und habe mich dann auf Jobs beworben in Deutschland und hab da einen bekommen als Lektorin. Also erstmal, ich bin mir nicht sicher, ob ich angefangen hätte, zu schreiben, wäre ich in London geblieben, weil das ein bisschen auch aus einer emotionalen Notsituation, würde ich es nennen, entstanden ist, weil ich einfach nicht sehr glücklich war in München und das war schwierig. Die Rückkehr war einfach schwierig. In London hatte ich halt genug Ablenkung, da brauchte ich nicht selber Ablenkungen machen. Aber ich würde sofort wieder nach London zurückgehen, jetzt schreibenderweise.


Gibt es ein Paar in deinen Büchern, das dir am leichtesten gefallen ist? Ein „Lieblingspaar“ das dir am einfachsten aus dem Herzen oder von der Hand gegangen ist?


Kathinka: Das Lieblingspaar muss ja gar nicht unbedingt das sein, was sich am leichtesten geschrieben hat. Am aller leichtesten zu schreiben war der zweite Band meiner ersten Reihe. Ich glaube man kann auch sehen, wieviel ich da gelernt habe von Band eins zu Band zwei und das war alles völlig unbewusst, dieser Lernprozess und das dann auch unbewusst anzuwenden, das war einfach ein unfassbares Gefühl. Ich habe das geschrieben wie im Rausch. Das waren zwei Monate und danach habe ich es an meine Lektorin geschickt und die hat gesagt: Ich weiß gar nicht, was ich da machen soll, das ist ja fast druckfertig.

Mein Lieblingspaar ist allerdings schwierig. Also da gibt’s so ein paar, die ich ganz großartig finde. In meiner zweiten Reihe sind es Curtis und Emery in Band drei. Curtis war mein erster richtiger Bad Boy und das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und ehrlich gesagt alle drei Paar in meiner dritten Reihe sind so… ich liebe sie alle.



Für das ganze Interview und Kathinkas Tipps und Tricks zum Thema Liebesroman schreiben findest du in der Folge. Viel Spaß beim Reinhören!


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