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Ach, wie gut, dass keiner weiß, wie ich wirklich heiß‘ - Das Pseudonym

Aktualisiert: Okt 4

Was haben Oscar Wilde, Jack London und Truman Capote gemeinsam? Alle drei Namen sind nicht nur weltberühmt, sondern vor allem auch fiktiv. Genauso übrigens, wie Anna Seghers, Lewis Carroll und Karl May – sie alle haben unter Pseudonym veröffentlicht.

Das Pseudonym ist ein frei erfundener Name, unter dem Autor:innen ihre Werke veröffentlichen, wenn sie nicht unter ihrem Realnamen im Bücherregal gefunden werden wollen. Man unterscheidet dabei zwischen dem offenen und dem geschlossenen Pseudonym: Beim offenen Pseudonym ist die Identität bekannt, wie etwa bei Joanne K. Rowling, die Krimis unter dem Namen Robert Galbraith veröffentlicht. Beim geschlossenen Pseudonym hingegen bleibt unbekannt, wer hinter dem Werk steckt. Ein Beispiel dafür ist Elena Ferrante, die sogar droht nie wieder ein Buch zu schreiben, wenn sie jemals enttarnt werden sollte.



Wieso sollte ich meine Identität verbergen?

Dafür kann es viele Gründe geben. Vielleicht ist der Realname langweilig oder schwer zu merken, was negative Auswirkungen auf das Marketing haben kann. Oder die schriftstellerische Tätigkeit lässt sich nicht gut mit dem Brotjob vereinbaren. Autor:innen, die in verschiedenen Genres oder für verschiedene Verlage schreiben, veröffentlichen häufig unter verschiedenen Pseudonymen. Oder man möchte mal eben das Geschlecht wechseln, weil sich beispielsweise historische oder Liebesromane von Frauen besser verkaufen.


Zwei Seiten einer Medaille

Wer sich allerdings für ein Pseudonym entscheidet sollte auch die Nachteile im Blick haben. Ein Buch verkauft sich immer auch über die Person des Autors oder der Autorin. Schriftsteller:innen sind heute Marken, mit zugehöriger Biografie und Gesicht. Hierfür können noch fiktive Lebensläufe und Stockfotos herhalten, schwieriger wird es schon bei Lesungen. Und nicht zuletzt ist jedes Buch, das unter neuem Pseudonym veröffentlicht wird, auf dem Markt ein Erstlingswerk.


Konsalik, Hohlbein und Voltaire


Letztendlich gilt es abzuwägen, ob ein Pseudonym im Einzelfall notwendig und sinnvoll ist oder nicht. Zu den Autor:innen, die sich dafür entschieden haben, zählt auch Heinz Konsalik, der auch als Stefan Doerner, Jens Bekker, Henry Pahlen und Boris Nikolai veröffentlicht. Übrigens ist der Name Konsalik selbst ist schon ein Pseudonym – nämlich der Geburtsname der Mutter des Autors. Wolfgang Hohlbein besitzt sogar etwa ein Dutzend Pseudonyme, unter anderem Angela Bonella, unter dem er Barbie-Bücher veröffentlichte. Und schließlich brachte es Voltaire - der eigentlich François-Marie Arouet hieß - auf ganze 160 Decknamen, nachdem er in der Bastille einsaß. Denn die Verwirrung um ein Pseudonym kann auf der Flucht ziemlich nützlich sein.



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