Realität und Fiktion - "Alles ist Erleuchtet" von Jonathan Safran Foer

Jonathan Safran Foer fuhr in die Ukraine, um nach Spuren des Dorfes zu suchen, aus dem seine Familie im zweiten Weltkrieg von den Nazis geflohen ist. Gefunden hat er nichts. Dennoch entschloss er sich, ein Buch zu schreiben - Ein Buch, in dem er bewusst die Realität mit Fiktion vermengt. So hat er etwas geschaffen, das mehr ist als Wahrheit.

Er hat ein Gefühl geschaffen.


In der aktuellen weltlichen Lage hat dieses Buch wieder tragische Relevanz erhalten. Foer gibt uns Nostalgie für ein Dorf, das nicht mehr existiert. Er behandelt Kriegstraumata und Generationskonflikte. In der Hauptfigur, die den Namen des Autors trägt, finden wir einen Sammler, der die Vergangenheit eintütet und bewahren möchte. Und dies ist ihm über den Roman hinaus gelungen.

Wie Fiktion die Realität beeinflusst


Foers Mutter widmet ihr Leben der Suche nach der Vergangenheit ihrer Familie. Doch diese Suche gestaltete sich oftmals schwierig: viele Menschen aus dem Dorf Trachimbrod sind verstorben oder unauffindbar. Zu Zeiten des Internets wurde die Vernetzung etwas leichter, doch noch immer fehlte der magnetische Kern in der Thematik, der alle beteiligten an einen Tisch zog.


Der Roman von Jonathan "Alles ist Erleuchtet" wurde zu diesem Kern.


Indem er seine Reise in einen Roman verpackte, schuf Foer internationales Interesse für das Dorf. Plötzlich wurden bei seiner Mutter Stimmen laut; Verwandte, Nachfahren, Bekannte meldeten sich mit Bruchstücken der Geschichte. Treffen wurden organisiert, Reisen ermöglicht, Geld zur Verfügung gestellt. Heute hat sie viele Namen und Fotos, hat viele Orte besucht und viele Antworten erhalten.


Und das alles mithilfe eines Buches, das die Realität in Fiktion hüllte und so den Menschen zugänglich machte.


Was können wir daraus mitnehmen?


Natürlich ist dies ein sehr einschneidendes Beispiel. Die wenigsten Geschichten werden so einen Effekt haben.


Doch auch deine Geschichte wird etwas bewirken - du wirst es wahrscheinlich nicht bemerken und schon gar nicht kontrollieren können. Doch für irgendeinen Menschen macht deine Geschichte einen Unterschied.

Quelle: Alles ist Erleuchtet von Jonathan Safran Foer




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