Archetyp: Gestaltwandler (Schaf im Wolfspelz)

Aktualisiert: 13. Okt.

Geht es jetzt hier um Werwölfe oder was? Nein, denn der Werwolf ist zwar wohl der bekannteste und physische Gestaltwandler. Diese Figur hat aber noch ganz andere und wichtigere Funktionen in einer Geschichte.


Was ist ein Gestaltwandler oder Shapeshifter?


Der Archetypus Gestaltwandler:in ist eine Figur, die in sich immer positive und negative Eigenschaften vereint. Durch die inneren Extreme, wissen die Leser:innen nie genau, auf welche Seite die Figur gehört. Ist er oder sie ein Double Agent oder doch ein Tripple Agent?

Denn Achtung: Jede der Figuren, die man am Anfang in einer Geschichte vorstellt, kann sich als Gestaltwandler herausstellen!


Die Funktion des Gestaltwandlers / Shapeshifters in der Geschichte


Diese Figur ist vor allem dazu da, Verwirrung zu stiften sowie Spannung aufzubauen und zu halten. Aber auch die Held:innen widerzuspiegeln und die Gestaltwandler:innen bieten den Held:innen eine Möglichkeit zu wachsen.


Sie halten sogar über das Ende hinaus die Spannung aufrecht und werfen auch danach die Frage auf, wo steht er oder sie - das muss sich mit dem Ende des Romans nicht zwangsläufig genau aufklären.


Gestaltwandler:innen sind herausragende Twists in der Geschichte, denn Wendepunkte im Plot sind natürlich eine perfekte Möglichkeit für diese Figur zu strahlen und die Geschichte weiterzubringen. Denn sie können eine komplette Veränderung in Form von 180° Wendungen herbeiführen.


Bekannte Gestaltwandler:innen in Geschichten:

Professor Snape in Harry Potter

Schaf im Wolfpelz

böse Königin als altes Mütterchen bei Schneewittchen

Wolf im Schafspelz

jede Verräterfigur

Enemies to Lovers in Romanzen

Der Unterschied vom Shapeshifter zum Trickster


Der Trickster ist ein Komiker-ähnlicher Charakter, legt clownhaftes Verhalten an den Tag und ist von Natur aus spitzbübisch. Bekannte Trickster sind zum Beispiel Hermes in der Griechischen Mythologie, Loki in der Nordischen und Jack Sparrow in Pirates of the Caribbean.

Im großen Unterschied zum Shapeshifter stellt der Trickster offen die normalen Regeln und Konventionen der Gesellschaft in Frage und verspottet diese. Oft werden Trickster als heimtückisch oder boshaft angesehen, wobei ihre Motivation meist aus dem Wunsch nach Spaß oder Unfug anzustellen herrührt.

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Der Trickster ist also eine Figur, die meist mit ganz offenen Karten spielt und wenig im Verborgenen geheime Pläne schmiedet und hinterrücks damit in die Geschichte einfällt, während die Gestaltwandler:innen eben genau dieses unerkannt und im Hinter- oder Untergrund machen.



Wie schreibe ich eine gute Gestaltwandler Figur?


Nimm die Leser:innen an die Hand, aber achte darauf, dass es ein schleichender Prozess ist.

Letztendlich geht es darum, dass die Leser:innen Vertrauen zur Figur aufbauen, um es dann zu vernachlässigen. Dabei ist es wichtig mehr Sympathie und Vertrauen aufbauen, um es hinterher zerstören zu können.

Doch die Zweifel sind so minimal zu säen, dass immer die Frage bleibt: Ist die Person, die die sie vorgibt zu sein - oder halt nicht? Im Positiven wie Negativen.


Um die zwei unterschiedlichen Seiten der Gestaltwandler:innen deutlich zu machen, eignen sich unmerkliche Änderungen im Tonfall und der Sprache, weiche und harte Seiten, Lachen oder Weinen, dass sich verändert. Plakativere Änderungen sind Frisuren, Kleidung, kleine Makel oder Ticks.


Gerade beim Shapeshifter ist es eine Gratwanderung der Subtilität, weil wir Autor:innen so viel mehr im Hintergrund wissen, dadurch können Dinge ebenso zu subtil, wie zu auffällig sein. Es lohnt sich also, die Testleser:innen die ersten ein bis zwei Durchgänge genau drauf achten lassen. Denn sobald das Wissen einmal da ist, achten wir beim nächsten Mal ganz anders darauf.


Achte darauf beim Archetypen Gestaltwandler


Wenn du dich für diese Figur in seiner Geschichte entscheidest, muss es gut aufgebaut und sehr durchdacht sein. Baue die Gestaltwandler:in nicht einfach um des Archetypen Willens in die Geschichte ein, sondern achte darauf, dass die Figur auch alleine als Persönlichkeit trägt. Sie muss Sinn machen und zwar mehr als nur die Wendung herbeizuführen.



Wir neigen zu schwarz-weiß Einteilungen und Gestaltwandler:innen bewegen sich meistens in unterschiedlichen Grauschattierungen und werfen häufig die moralischen Fragen in der Geschichte auf.