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Der Mythos vom einsamen Schriftsteller-Dasein - Das Haus am Rande der Klippen (Lucy Clarke)

Aktualisiert: Okt 4


Immer wieder stoße ich in Romanen, Filmen oder Serien auf das Bild des einsamen Schriftstellers, der sich in eine Hütte zurückzieht und dort – am Besten mit Stift und Papier – an seinen Meisterwerken arbeitet. Mit Ausblick aufs Meer, stürmischem Wetter und leicht manisch-depressiven Zügen.


Die Autorin im Anwesen am Meer


Genau dieser Stereotyp begegnet einem auch bei der Lektüre von „Das Haus am Rande der Klippen“ von Lucy Clarke. Elle ist Autorin und hat sich mit dem Geld, das sie mit dem durchschlagenden Erfolg ihres Debütromans verdient hat, ein Haus am Meer gekauft, in dem sie sich im Dach ein Zimmer mit Glasfront zum Schreiben einrichtet. Aber ihr Leben ist nicht so großartig, wie diese Einführung vermuten lässt. Ihre Ehe ist kaputt, Elle leidet unter Schlafstörungen und einer massiven Schreibblockade und droht ihr Haus zu verlieren. Ihre Existenz hängt davon ab, dass sich das nächste Buch gut verkauft – und sie hat es noch nicht einmal geschrieben. Also vermietet sie ihr Haus auf Airbnb, um ein bisschen Geld reinzubekommen.


Und danach ist alles anders. Sie fühlt sich unwohl in den eigenen vier Wänden, hat das Gefühl, beobachtet zu werden. Sie bemerkt Kleinigkeiten, die sie stutzen lassen, zweifelt an ihrem eigenen Verstand. Sie spürt: Jemand ist in ihre Privatsphäre eingedrungen und hat ihr Geheimnis entdeckt.



Wusste ich es doch - oder nicht?!


Der Thriller ist gut gemacht. Beim Lesen denkt man ständig: Der war’s! Und dieses Gefühl hat man bei so ziemlich jeder Nebenfigur, die auftritt. Bei der Auflösung hat man das Gefühl, man wusste die ganze Zeit, worauf die Geschichte hinausläuft. Allerdings hätte man das auch bei jeder anderen möglichen Auflösung gedacht.


Lucy Clarke spielt mit Misstrauen, Wahnsinn und Unzulänglichkeit. Der Roman legt zahlreiche falsche Fährten, ohne dass es beim Lesen zu viel wird und der Roman an Geradlinigkeit verliert – und das ist gar nicht so leicht. Wie viel lasse ich die Lesenden wissen? Was lasse ich durchblicken? Was Spannung angeht konnte ich an diesem Roman viel lernen.

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