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Er, sie, em – Was ist eigentlich inklusives Schreiben?

Aktualisiert: Okt 4

Die vierte Folge des Zeilenschlinger-Podcasts ist für Johanna, Amy und Anne eine ganz besondere, denn das erste Mal haben die Zeilenschlingerinnen einen Gast in der Sendung. Und das auch noch zu einem wirklich spannenden und komplexen Thema: Diversität im Roman.


"Ich bin kein Mann. Ich bin keine Frau. Ich bin einfach nur Mia"

Die Folge beginnt und wir dürfen Mia begrüßen. Mia ist, 23, kommt aus Bayern und em ist non-binär. Für alle, die sich fragen, was das em in dem Satz zu suchen hat: Bei dem Wort handelt es sich um ein Neopronomen, dass ergänzend zu er und sie für non-binäre Personen verwendet werden kann. Wir erfahren ein wenig von Mias Geschichte (die ihr hier nachlesen könnt), bevor wir den Bogen zu unserem Lieblingsthema schlagen: Büchern.





"Sprache schafft Realität" - Inklusives Schreiben


Wir beginnen mit einer Diskussion zu gendergerechter Sprache im Roman. Obwohl diese Form des literarischen Schreibens bisher noch unüblich ist, hat Anne zwei Beispiele gefunden, in denen Autor:innen genau das umgesetzt haben: Wasteland von Judith und Christian Vogt und Eine Wirtin, ein Schatten und ein Dreckswinter von F.B. Knauder. Mia berichtet, dass ihr genderinklusive Sprache beim Lesen zwar nicht auffällt, em es aber gut findet, dass es diese Bücher gibt. Denn Sprache schafft Realität. Wir diskutieren darüber, ob wir dieses inklusive Schreiben sperrig finden oder ob wir es nur nicht gewohnt sind. Aber wir geben zu, dass wir auch einfach unsicher sind, ob wir so schreiben können. Schließlich landen wir bei genderneutraler Sprache in englischen Wissenschafts-Texten.


Diversität in der Figurenwelt

Unsere Köpfe rauchen bereits von der gesellschaftlich-sprachlichen Debatte und so reisen wir zurück in die Bücherwelt. Wir werfen die Frage auf, inwiefern non-binäre Personen eigentlich im modernen Roman vertreten sind und wie es mit anderen Gruppen aussieht, wie zum Beispiel Menschen verschiedener Hautfarben oder Menschen mit Behinderungen. Diese Figuren sollten mehr Einzug in das literarische Schreiben finden, denkt Mia. Entscheidend ist hierbei eine gute Recherche, die über google hinausgehen und vor allem auch im Dialog mit den entsprechenden Gruppen stattfinden sollte.



Nach einem kurzen Exkurs über die Auswirkung persönlicher Einstellungen von Autoren auf deren Werke anhand des Beispiels Joanne K. Rowling, kommen wir noch einmal auf konkrete Beispiele zu sprechen. Wir haben einige Bücher gefunden, in denen LGBTQ eine Rolle spielt, u.a.

* „Julian ist eine Meerjungfrau“ von Jessica Love

* „Ich bin Linus: Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war“ von Linus Giese

* „Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden“ von Sven Hensel und Stef


Roman nur als Abbild der Realität - Nicht als Mittel zur Aufklärung


Es sollte allerdings nicht die Aufgabe fiktiver Texte sein, aufzuklären, gibt Mia zu bedenken. Diverse Charaktere sollten vielmehr als selbstverständlich dargestellt werden, ohne sperrige Erklärungen.


Nun sind wir gefragt, haben wir denn schon diverse Charaktere in unseren Geschichten? Johanna ist mit diesen Themen bisher wenig in Kontakt getreten und nimmt sich deswegen vor, sich mehr damit auseinanderzusetzen. Anne schreibt vor allem Figuren, die von ihrem direkten Umfeld inspiriert sind, dadurch finden z.B. Personen mit ADHS oft Einzug in ihre Geschichten. Auch bei Amy prägt das Umfeld das Schreiben. In ihrem aktuellen Projekt gibt es tatsächlich auch eine non-binäre Figur.


Neue Rubrik: Zum Mitnehmen


Dann kommen wir zu den Rubriken. Neu ist die Rubrik Zum Mitnehmen, wo wir euch zum Thema der aktuellen Folge eine Aufgabe stellen. In diesem Fall: Nehmt euch einen Text vor, den ihr geschrieben habt, und versucht mal ihn genderneutral umzuschreiben. Experimentiert mit der Sprache und beobachtet, wie es euch damit geht.


Wort der Woche

Das Wort der Woche bekommen wir von Johanna. Fingerwald bringt sie uns bei, ist einfach ein anderes Wort für Haareraufen.


Was liest du?


In der Kategorie Was liest du? Besprechen wir fünf Bücher. Amy liest ausnahmsweise keinen Fantasyroman. Achtsam Morden von Karsten Dusse lag bei ihr auf dem Nachttisch und der war so gut, dass Amy auch gleich den Folgeroman Das Kind in mir will achtsam Morden gelesen hat.


Anne hängt in der Zeit zurück und liest den 2014 veröffentlichten Ratgeber Darm mit Charme von Guilia Enders. Nicht besonders romantisch, aber trotzdem unterhaltsam.


Johanna bleibt der Fantastik treu, mit Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen von Lars Simon. Ein kurioser und magischer Roman mit Krimi-Elementen und der Auftakt einer Trilogie.


Und auch Mia steuert noch zwei Bücher bei. Em liest Das Erbe der Seher von James Islington und Neben uns die Sinnflut von Stephan Lessenich.



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