Jeder hat Zeit zum Schreiben! – 6 Tipps, wie du diese Zeit findest

Dieser Satz löst immer wieder Unmut in den Reihen der Schreibenden aus. Denn schließlich hast du doch so viel zu tun. Arbeit, Familie, sonstige Verpflichtungen und Freizeit will man ja auch haben. Wo bleibt also die Zeit zum Schreiben? In Folge 66 haben wir dieses Thema ausgiebig diskutiert. Hier gibt es 6 Tipps, wie auch du deine Zeit nutzen kannst.



"Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich!" – Sprichwort

1. Analysiere deine Freizeiten!


Wie verbringst du eigentlich deinen Tag? Manchmal wachen wir morgens auf, versinken im Alltag und plötzlich ist es wieder Abend. Was haben wir den ganzen Tag getan? In unserer schnelllebigen Zeit, gerade mit all den Medien, die wir "so nebenbei" konsumieren, erleben wir selten einen Moment bewusst. Das Leben fließt an uns vorbei. Um in diesem Fluss eine Schreibzeit zu finden, müssen wir erst einmal wieder bewusst unseren Tagesablauf wahrnehmen. Also beobachte dich und dein Tun eine Woche und mache dir wenn nötig Notizen. Es wird bestimmt die eine oder andere Möglichkeit geben, zu schreiben.


2. Jede Minute zählt!


Du hast deinen Alltag analysiert und findest kaum Platz für deine Schreibzeit? Wie soll man sich da eine Stunde an sein Projekt setzen und schreiben? Gar nicht! Du brauchst keine Stunde. Eine Stunde konzentriert zu arbeiten ist sowieso eine Übungssache. Versuche es doch mit einer halben Stunde, 15 Minuten oder 5 Minuten. Nutze die kleinen Pausen, die sich am Tag ergeben. Wenn du hier noch Ideen brauchst, dann schreib mir. Manchmal kann man solche Zeiten erst sehen, wenn jemand anderes einen darauf aufmerksam macht.


3. Löse dich von der "perfekten" Schreibatmosphäre


Wie schön es doch sein kann. Das Licht ist abgedunkelt, eine Stille umspielt dich wie ein Mantel, in der Luft liegt ein warmer Hauch von Blutorange – aktiviert und fördert die Konzentration. Jetzt ist der perfekte Moment. Ein Gewusel, ein Geklingel, ein Gebelle – was auch immer deinen Tag stören kann, passiert. Und schon ist der Moment wieder vorbei. Und du hast nicht ein Wort geschrieben. Solche Szenerien klingen anregend und sehen auf Instagram-Fotos immer so toll aus. Aber allein die Vorbereitung, diese Stimmung aufzubauen, raubt dir wertvolle Schreibzeit. Lieber einen Satz geschrieben, während der Tisch noch nicht abgedeckt, die Sonne auf die klebrige Arbeitsplatte scheint, aber Hund, Katze, Kind (und vor allem Partner) nur für 5 Minuten nicht im Raum sind. Dieser Satz kann einem manchmal schon den Tag retten, wenn der Alltag dich überrennt.


4. Schreibe jeden Tag mindestens einen Satz.

Je öfter du schreibst, desto weniger Schreibzeit brauchst du am Stück. Wenn du jeden Tag mindestens einen Satz oder mindestens 5 Minuten schreibst, sind die Erinnerungen noch frisch. Schon tauchst du am nächsten Tag schneller wieder in die Geschichte ein. Das schöne ist, wenn man sich so darauf konditioniert, jeden Tag an das Buchprojekt zu denken, kommen auch mehr Ideen wie es weitergehen kann. Dieser eine Satz geht dir schneller von der Hand. Vielleicht werden es auch zwei Sätze, vielleicht (wenn die Zeit es zulässt) zwei Seiten, zwei Kapitel.


Es ist ganz einfach: Wenn ich keine Zeit habe ein Buch zu schreiben, dann schreibe ich halt kein Buch. – Anne, Folge 66

5. Denke über andere Medien nach


"Aber Johanna", höre ich es schon, "jetzt denke ich so viel über mein Buch nach, dass ich so viele Ideen habe, aber ich habe doch keine Zeit, sie alle festzuhalten." In solchen Momenten bin ich froh, dass wir in einer multimedialen Zeit leben. Denn wenn Laptop oder Tastatur zu weit weg sind, muss man nicht nur Zettel und Stift immer bei sich tragen. Wir haben doch noch unser Smartphone. Nimm eine Sprachnachricht auf, diktiere die Worte und lasse sie dir bereits in Schrift umwandeln, mach dir Notizen in einer App oder schreibe dir selbst eine Mail. Aber mache es gleich. So schaffst du nicht nur mehr, du vergisst auch nicht deine Ideen.


6. Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich


Ich bin ein großer Fan dieses Sprichworts. Denn es holt dich aus der Opferrolle heraus. Raus aus der Position, nur ein Spielball deiner Zeit und deines Alltags zu sein. Werde aktiv, übernimm die Kontrolle. Nicht die Zeit bestimmt über dein Leben. Du tust es.

Und natürlich fordern auch andere deine Zeit ein. Dein Partner oder deine Partnerin, dein Brotjob, dein Haushalt, dein Garten, dein .... und und und. Aber in vielen Fällen können Dinge auch mal auf dich warten oder du bittest um Unterstützung. Muss du jetzt ein aufwändiges Essen kochen? Muss jetzt sämtliche Wäsche gewaschen sein? Kannst du Aufgaben delegieren? Deinen Partner mit den Kindern rausschicken? Musst du nach Feierabend wirklich noch etwas für deinen Brotjob tun? Nicht immer ist die Antwort in deinem Sinne, manchmal fordert das Leben auch deine Zeit. Aber es wird die Momente geben. Auch die Frage nach der Freizeit. Musst du dich jetzt durch Social Media scrollen? Musst du jetzt streamen? Natürlich sollst du dir auch Zeit für – ich nenne es mal – geistigen Leerlauf nehmen.

Aber wenn du 25 Minuten abknappst, kann in dieser Zeit viel passieren. Du kannst ein paar Seiten für dein Buch schreiben. (Oder wie ich gerade diesen Artikel.)


Disclaimer: Schreiben soll nicht immer Priorität haben


Es gibt natürlich Phasen (unabhängig davon, wie lang sie sind), in denen man wirklich nicht schreiben kann. Sei es aus gesundheitlichen Probleme, psychischen Einschränkungen oder Ausnahmesituationen im Umfeld. In solchen Phasen hat das Schreiben keine Priorität – soll es auch nicht haben. Pausen sind wichtig! Pausen sind notwendig! Wenn man zu viel Druck dabei empfindet, wird es Zeit für eine solche Pause.

Also sei gut zu dir und schreibe, wenn du kannst und willst.