Kunst vs. Handwerk - Braucht man zu Schreiben Talent oder kann das jeder Lernen? (mit Jurenka Jurk)

Als Autor oder Autorin wird man geboren - oder eben nicht. So dachte man früher, so denken heute noch viele. Doch stimmt das? Kann man das Schreiben nicht erlernen wie jedes andere Handwerk auch?

Anne und Eve haben mit Jurenka Jurk über dieses Thema gesprochen - hört unbedingt rein, es wird spannend.

Was braucht man, um zu Schreiben?


Schreiben erfordert Können. Darin zumindest besteht Einigkeit in der AutorInnenbubble. Doch wo dieses Können herkommt, da scheiden sich die Geister. Kann der Autor oder die Autorin schreiben, weil er oder sie ein angeborenes Talent besitzt? Oder ist das Schreiben ein Handwerk, das man sich aneignen kann? Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.


Der deutsche Geniekult


Goethe und Schiller Denkmal in Weimar
Bild von jggrz auf Pixabay

In Deutschland hängen wir gerne noch dem Gedanken nach, dass Genies hin und wieder natürlich aus der Mitte unserer Gesellschaft erwachsen.


Mozart, Goethe, Schiller – das Genie erkennt man daran, dass es schon immer Genie war und es sein ganzes Leben lang bleibt.


Doch dies ist ein Trugschluss. Mozart hat von jungen Jahren an wie besessen sein Handwerk geübt. Und auch Goethe und Schiller sprachen in ihrem berühmten Briefwechsel davon, wie sie ihre Schreibkunst immer weiter verfeinern können. Wenn Talent eine Rolle spielt, dann ist sie nicht die Einzige.



Was ist Talent?


Talent ist nicht, wie viele denken, eine angeborene Perfektion auf einem Gebiet.


Vielmehr ist es eine Mischung aus einem „angeborenen“ Interesse und harter Arbeit.


Kein Talent überlebt, ohne dass es genährt wird. Es ermöglicht einem in einem Bereich – beispielsweise der Literatur – schnell Schlüsse zu ziehen und Gedanken miteinander zu verbinden, um etwas neues zu schaffen.


Doch es nimmt einem nicht die Arbeit ab.


Warum ist das Handwerk so wichtig?


Suchen in der Dunkelheit
Bild von FreeFunArt auf Pixabay

Schreiben – wie jede kreative Arbeit – gleicht oft einem Tasten im Dunkeln.


Man fühlt sich von Ort zu Ort und hofft, dass man in die richtige Richtung geht. Das ist ein spannender Prozess und kann viel Freude bereiten. Aber er ist auch hinderlich, wenn man es mit Deadlines und Erwartungen zu tun hat – dann wird die Dunkelheit plötzlich bedrohlich und man fürchtet, nicht wieder rauszufinden.


Hier hilft es, wenn man Werkzeuge hat.


Wenn man weiß, wie man einen Charakter erschafft, einen Spannungsbogen aufbaut und wiederkehrende Probleme löst, dann kann man sich schneller und besser orientieren.


Man spart sich also viel Zeit und Frust.


Handwerk unterstützt uns dabei, richtig mit unseren Lesern zu kommunizieren. Denn das ist es, was wir tun wollen – Ideen möglichst verlustfrei von unserem Gehirn und das unseres Gegenübers zu kopieren. Das ist keine Willkür – das ist Psychologie. Und genau darauf baut das Schreibhandwerk auf.


Warum sträuben sich so viele vor dem Handwerk?


Manche Menschen sind der Ansicht, dass Schreib“regeln“ ihre Kreativität einschränken.

Sie fürchten, dass ihr Werk zu einem Einheitsbrei verkommt, wenn sie es beispielsweise mit derselben Aktstruktur aufbauen, die auch alle anderen benutzen.

Doch das ist nicht der Zweck einer Aktstruktur. Sie befielt nicht, sie bietet Orientierung.


Ohnehin ist es nicht hilfreich, davon auszugehen, dass man ein völlig originelles Werk schaffen kann (das jemand lesen will).

Alte Ideen werden immer wieder aufgegriffen und neu erfunden.

Das IST Kreativität.


Ohne Masse kann man kein Werk formen, ohne Sand keine Burg bauen.

Ein Architekt kann kein Gebäude erdenken, ohne die Regeln der Physik zu beachten.


Ebenso kann ein Autor nur schwerlich eine gute Geschichte schreiben, wenn er die Regeln der Psychologie ignoriert. In so einer Geschichte – und in so einem Haus – will niemand wohnen.


Fazit


Es braucht wohl etwas, das man als „Talent“ bezeichnen könnte, um motiviert das Handwerk zu lernen. Nichtsdestotrotz bleibt Kunst Arbeit. Talent bestimmt nur, wie gerne und schnell man diese Arbeit macht – und ob man es überhaupt tut. Also sei nicht schüchtern, dich auch beim Schreiben immer Fortzubilden.

 

Jurenka unterrichtet seit mehr als 10 Jahren, wie man veröffentlichungsreife Romane schreibt und hat mehr als 300 angehende Autoren auf dem Weg zum eigenen Buch begleitet.

Im Herbst 2022 organisiert sie bereits zum dritten Mal die Online Autorenmesse, das größte deutschprachige Online-Event für angehende Autoren.



Ihr findet sie und ihre zahlreichen Projekte hier:

https://www.romanschule.de/


Kostenlose Anmeldung für die Online-Autorenmesse:

https://online-autorenmesse.de/anmelden


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