Musik über die Jahrzehnte hinweg - Wie ein fernes Lied (Micaela Jary)

Ein Generationen-Roman, der Liebesgeschichte, Kriegsliteratur, Musikhistorie und ein Detektivgeschichte in sich vereint.

Die Musik, die Generationen über Jahrzehnte hinweg verbindet. Eine junge Frau, die vor, während und nach den Kriegsjahren den Swing liebt und lebt und versucht ihren Weg dort hindurch zu finden – genauso wie ihre jüdische Jugendliebe. Eine andere junge Frau, die den Swing um die Jahrtausendwende ebenfalls liebt, versucht davon zu leben – und durch einen Unfall auf den Spuren einer ebenso interessanten wie dramatischen Liebesgeschichte wandelt.



Was uns erwartet


Manchmal ist die Liebe wie ein fernes Lied, das niemals verklingt...


Hamburg, 1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges...


Ein Überraschungspaket auf ganzer Linie


Aufgrund diesen Klappentextes habe ich mir dir definitiv etwas anderes vorgestellt und wurde daher immer wieder überrascht. Ich habe nicht mit zwei Handlungszeiten und zwei eigenen Geschichten gerechnet, die sich über die Musik hinweg verbinden. Ich bin von einer Geschichte ausgegangen, die sich hauptsächlich in Hamburg und etwas in Paris abspielt und nicht in verschiedenen Ländern und zu einem großen Teil in Paris. Mich hat die Geschichte der Swingmusik überrascht, die es über die Kriegsjahre sehr schwer hatte in Europa. Mich hat die Familiengeschichte und die Verbindung über die Zeiten hinweg begeistert, weil ich von etwas anderem ausging.


Erwartungen und Vorstellungen an ein Buch - erfüllen

oder enttäuschen?

Ich habe dieses Buch bei meinem ersten Besuch eines Buchladens in meiner neuen Heimat Hamburg gekauft. Es war die Mischung aus Cover und Klappentext (und ja, zugegeben auch dem Preis). Ich wollte gerne etwas lesen, das mich mit der neuen Stadt verbindet und mir ein Gefühl für sie gibt. Das habe ich nicht wirklich bekommen – das fand ich schade.

Was ich allerdings stattdessen erhielt, hat mich durchaus begeistert. Ich fand die Mischung der Themen, die unerwarteten Überraschungen durchaus sehr gelungen und sie haben dafür gesorgt, dass mich dieses Buch lange nicht loslässt.


Was können angehende Autor:innen daraus lernen?


Dieses Buch ist ein Paradebeispiel für mich, dass der Klappentext nicht wirklich zum Inhalt passt und dass ganz andere Erwartungen und Vorstellungen geweckt werden. Das kann positiv wie negativ laufen. Für mich war es ein Glücksgriff und die neuen Perspektiven, die Bereicherung durch das, was ich nicht erwartet habe, überwiegt für mich die Enttäuschung meiner ursprünglichen Vorstellungen und ich bin sehr froh, dass ich das Buch mitgenommen habe. Mit so einer Diskrepanz kann es aber auch schnell mal sein, dass es unzufriedene Lesende gibt, die die Abweichungen nicht so sehr zu schätzen wissen. Wenn Genre und Themen nicht klar abzugrenzen sind, dann ist es vielleicht eine gute Idee über den Klappentext zu vermitteln, was alles drinsteckt.

Denn nicht alle Lesende mögen Überraschungen und nicht jede Überraschung im Buch ist positiv.

Ich hätte mich über klarere Angaben gefreut, hätte es nicht so schade gefunden, dass Hamburg so wenig als Schauplatz dient – aber vielleicht wäre mir das Buch auch nicht so sehr im Kopf geblieben und hätte mir nicht so viel Spaß gemacht, etwas Unerwartetes zu entdecken. Letztendlich, I'll never know!

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