Schreiben in der Krise - Darf ich das?

Krieg und Pandemie. Krankheit und Trennung, Überlastung und Angst: Krisen können uns an jeder Ecke in unserem Leben einholen und überwältigen. Darf ich in so einer Situation ein Buch schreiben? Was bringt das überhaupt, wenn es anderen oder mir schlecht geht? In Folge 62 diskutieren wir genau diese Fragen und kommen zu dem Schluss: Unsere Geschichten sind wichtig. Für uns und für andere.


Schreibkrise? Nein! Schreiben in der Krise


Dieses Mal geht es nicht um Schreibblockaden oder Schreibkrisen, nicht um das Verzweifeln vor dem leeren Blatt oder den verlorenen roten Faden im Roman. Es geht um all die anderen Krisen in unserem Leben und unserem Umfeld, die uns dazu bringen können, am Schreiben und an unserem Autorenweg zu zweifeln.


Was ist eigentlich eine Krise?


Eine Krise hat viele Gesichter. Sie kann nur einen einzelnen Menschen betreffen, eine kleine Gruppe, aber auch eine größere Gemeinschaft bis hin zu einer Nation oder zur ganzen Welt. Und gerade die großen Krisen haben wiederum einen Einfluss auf das Leben des Einzelnen. So wie eine Krise in der Weltwirtschaft letztendlich dazu führen kann, dass die alltäglichen Lebensmittel teurer werden. Aber das führt hier zu weit. Erstens gibt es Podcasts, die das deutlich besser erklären können und zweitens wollen wir uns auf das Schreiben konzentrieren.


Krisen beeinflussen auch Autoren und Autorinnen


Denn Krisen – sowohl im Großen als auch im Kleinen – können einen Einfluss auf unser Schreiben haben. Zum Einen, weil wir ins Handeln kommen müssen und unsere Schreibzeit eingeschränkt werden kann. Aber auch, weil wir emotional darunter leiden.


"Es gibt nicht DEN richtigen Weg oder DIE richtige Reaktion auf eine Krise. Gibt es faktisch nicht. Jeder geht anders damit um." – Miri

Ein Beispiel: Was mache ich hier eigentlich


Ich gebe dir jetzt einen Einblick in meine Gedankenspriale, als ich verstanden habe, was Russlands Angriff auf die Ukraine bedeutet:

Was mache ich hier überhaupt? Ich mache mich lächerlich. Ich hüpfe für lustige Videos auf Instagram vor der Kamera herum, während Menschen sterben. Warum schreibe ich nur Trivialliteratur? Mein Buch wird niemanden beeinflussen, wird niemandem helfen. Es ist nur dafür da, zu unterhalten. Und wer möchte schon in solchen Zeiten unterhalten werden? Warum kann ich nicht etwas Sinnvolles mit meinem Leben machen?

Und so weiter und so fort.


Ich bin froh, dass Eve und Miri mich da rausgezogen haben. Schon vor der aktuellen Folge, aber auch während der Aufnahme haben sie betont, wie wichtig es ist, zu schreiben.

"Mein großes Ziel, auch als Journalistin, war immer: ich möchte unterhalten. Auch jetzt, wenn ich schreibe, möchte ich nicht "Kunst" schaffen oder ernsthafte E-Literatur schreiben. Ich möchte unterhalten. Ich möchte, dass Leute träumen. Ich möchte, dass Leute auch mal diesem Alltag entfliehen können." – Hanna

Schreiben hilft uns


"Durch das Schreiben merkst du dir besser, was du wobei gefühlt hast, und du verinnerlichst die Dinge auch besser", sagt Eve. Schließlich gibt es nicht umsonst therapeutisches Schreiben. Allein der Akt des Aufschreibens kann die Last auf den Schultern erleichtern und den Kopf freimachen. Manchmal zeigt es uns auch, wie wir mit einer Krise umgehen können. Eve spricht hier auch von dem Unterschied zwischen etwas kontrollieren können und etwas beeinflussen können. Also sollte man, nach seinen eigenen Möglichkeiten alles tun, was geht, aber den Gedanken loslassen, es kontrollieren zu können.


Schreiben hilft anderen – Unterhaltung ist wichtig


"Zwischen Kunst und Unterhaltung ist nicht unbedingt ein großer Unterschied", betont Eve. Was die Zeit überdauert, wird erst die Zeit zeigen.


Noch viel mehr Motivation und Rückhalt, warum es wichtig ist, auch in der Krise zu schreiben, findest du in der aktuellen Folge 62.