Sieben verflixte Tipps an mein ein Jahr jüngeres Autorinnen-Ich: Teil 2

Aktualisiert: Okt 2

Tipp 5: Genieße den Prozess des Schreibens, statt auf das Ende hinzufiebern.

Vorfreude ist die größte Freude, das stimmt. Aber viele von uns nehmen „die größten Qualen“ in Kauf, weil sie glauben, erst nach dem Fertigstellen des Manuskripts endlich glücklich sein zu können. Warum das nicht funktioniert? Weil nach dem Manuskript vor dem Manuskript ist. Und das Erfolgsgefühl währt nur kurz.


Versteh mich nicht falsch: Erfolge zu genießen ist unwahrscheinlich wichtig. Nur können das die wenigsten von uns, ohne sich direkt auf das nächste Projekt zu stürzen. Und warum sollten wir schuften und schuften und schufen, um erst zum Schluss für ein glückseliges „Ende“ tippen zu können? Versuche möglichst viel von dem zu machen, was dir Spaß macht, und die eher unbeliebten Aufgaben (wie z.B. das Plotten oder vielleicht das Schreiben an sich) so angenehm wie möglich zu gestalten. Klar, manchmal muss man einfach die Zähne zusammenbeißen. Aber der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt, und Schreiben ist ein Marathon. Mach dir die Strecke so schön wie möglich, dann macht Marathon-Laufen süchtig.



Tipp 6: Such dir ein neues Hobby.

Ab einem gewissen Punkt ist Schreiben nicht mehr nur ein Hobby – denn du wirst definitiv an einen Punkt kommen, an dem du tage- oder wochenlang vor deinem Bildschirm Papier sitzt und rigoros verzweifelst. Nun, da du dich dazu entschieden hast, ein Buch fertig zu schreiben, wirst du vermutlich immer noch den Großteil deiner Schreibzeit Spaß haben, aber definitiv nicht auf die gesamte Zeit. Es wird sogar ziemliche Tiefs geben. In diesem Fall tut es gut, einen Ausgleich zu haben und nicht den ganzen Tag am Erfolg des Schreibens zu messen. Etwas, das dir Spaß macht und im besten Fall nicht einmal etwas mit Büchern zu tun hat.


Glaubt mir, diese Lektion war extrem schwierig für mich. Aber ich bin sehr froh, dass ich sie endlich gelernt habe. Jetzt strebe ich eine Karriere als Hobby-Bassistin an, während ich meinen Freund beim Bierbrauen unterstütze (hey, ich rühre um, das ist auch ein Beitrag!). Und auch, wenn Bass-Lernen nicht immer einfach ist, lenkt es mich immerhin von den Schreib-Problemen ab, die ansonsten die ganze Zeit in meinem Kopf herumspuken würden.



Tipp 7: Achte auch beim Schreiben auf deine Gesundheit.


Wir alle sind uns doch darin einig, dass wir unseren Job langfristig machen möchten – also sollten wir auch darauf achten, dass unsere Arbeitswerkzeuge möglichst gut erhalten bleiben. Damit meine ich nicht nur die Software (das Gehirn), sondern vor allem den Teil der Hardware, den wir bei unserer sitzenden Tätigkeit vom Bildschirm besonders in Mitleidenschaft ziehen.


Ja, ergonomische Mäuse und Sitzkissen sind verdammt unsexy. Mit der dämlichen Lesebrille sollte uns doch niemand sehen. Und warum an den Schreibtisch, wenn man auch in C-Form im Bett sitzen kann? Die Antwort: Weil dein Körper und deine Bücher es dir danken werden. Mit kaputten Händen und krummen Wirbelsäulen schreibt es sich schlechter. Genauso mit überanstrengten Augen und müden Beinen, die heute nur den Weg zum Klo zurückgelegt haben (schrieb sie, nachdem sie sich den ganzen Tag kaum gerührt hatte). Das Klischee des leidendes Künstlers (egal ob körperlich oder emotional) sollte ausgerottet werden. Was haben wir von weltbewegenden Werken, wenn wir sie im Nachhinein nicht genießen können? Natürlich, eine Prise Schmerz hat noch keinem emotionalen Roman geschadet. Aber damit ist sicher nicht der Ischias-Schmerz gemeint.


Der verflixte achte Zusatztipp

Lektionen und Regeln gelten nicht für immer. Ursprünglich standen hier ganz andere Tipps, die ich meinem ein Jahr jüngeren Ich gegeben hätte. Aber oh Wunder: An diese Tipps halte ich mich nicht mehr. Für einen Moment waren sie hilfreich und haben mich unterstützt. Doch Lebenseinstellungen und Lebensumstände ändern sich. Genau so, wie du vielleicht nicht jedes Buch deiner Karriere auf die Weise schreiben wirst, wie du dein erstes Buch geschrieben hast. Letztendlich müssen wir immer abwägen, flexibel bleiben, und das behalten, was aktuell funktioniert und guttut.


In diesem Sinne: Macht es gut – und schreibt euer erstes Buch. 😊 Ich bin gespannt, welche Tipps euch im Nachhinein einfallen werden!

6 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen