Was macht Protagonist:innen nahbar? – Die dunkle Stunde der Serenissima (Donna Leon)

Bei diesem Buch handelt es sich um den elften Fall des Commissario Brunetti – einer Krimi-Reihe der Autorin, die in Venedig verortet ist. Dabei begleiten wir Leser den Commissario durch die Jahre und Jahrzehnte hinweg, denn der erste Band erschien in deutscher Übersetzung 1993 und der Band 30 erschien im Jahr 2021.



Und darum geht's in diesem Band:

Eine junge Studentin wendet sich mit einer Frage bezüglich ihrer Familiengeschichte an ihre Professorin Paola, die Frau des Commissario Brunetti. Sie möchte wissen, ob eine Möglichkeit besteht, eine verstorbene Person noch zu rehabilitieren. Doch noch bevor klar wird, worum es der jungen Frau geht, wird sie tot aufgefunden und Commissario Brunetti ermittelt nun in einem Fall, der ihn weit in die Vergangenheit zurückführt. Als in den Zeiten des Krieges mit edler Kunst geschoben wurde, viele Kunstwerke für immer verschwanden und nie den Weg zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurückfanden.


Das Erfolgsgeheimnis um den Commissario


Bei 30 veröffentlichten Bänden, die in Buchläden stets ganz vorne bei den Neuveröffentlichungen platziert werden, stellt sich die Frage: Was fesselt und begeistert die Leser:innen so sehr an den Büchern von Donna Leon?

Für mich ist es, neben dem Flair Italiens und der Geschichte und Entwicklung der gesamten Charaktere, ganz klar der Commissario Guido Brunetti selbst. Gerade weil wir ihn durch die verschiedenen Herausforderungen der Zeiten, aber auch die einer Familie, der Politik eines Landes und den ganz persönlichen Hürden begleiten, wird der Charakter so tragend für die Geschichte.



Das Erfolgsgeheimnis liegt dabei in seiner Menschlichkeit und kleinen Macken und Schwächen – sei es die Abneigung gegen seinen Chef oder die immer wiederkehrenden, teilweise tiefgreifend moralischen Fragen. Auf die er häufig keine Antwort hat und sie daher gerne zu verdrängen sucht.

Das macht Brunetti so nahbar, dass man sich immer wieder leicht mit ihm identifizieren kann. Dabei trifft er nicht immer die richtige Entscheidung, ist nicht immer rechtschaffend und regt damit zum Hinterfragen der eigenen Einstellung an. Es erlaubt auch uns Leser:innen unseren selbsterschaffenen Druck in der Gesellschaft mal etwas herauszunehmen.


Gib deinen Protagonist:innen Persönlichkeit!


Die Bücher der Autorin erinnern mich immer wieder daran, dass wir unseren Protagonist:innen mehr Tiefe geben, wenn wir sie eben nicht unfehlbar, perfekt und immer auf dem rechten Pfad wandeln lassen. Mit dieser Traumvorstellung kann sich keine:r wirklich identifizieren und wir Autor:innen erschaffen damit ein unrealistisches Bild von unseren Held:innen. Denn schließlich sind wir alle Menschen und wir haben alle unsere Macken – und das sollten unsere Charaktere auch haben, damit sie nahbar und echt sind.


We don't make mistakes, just happy little accidents. Wir machen keine Fehler, nur glückliche kleine Missgeschicke. - Bob Ross

Dabei ist dieses Zitat für mich ein guter Anhaltspunkt, denn 'Fehler', die sowohl wir als auch unsere Protagonist:innen machen, sind immer eine Frage der Perspektive. Eine Perspektive, der wir uns berauben, wenn wir unseren Charakteren nicht erlauben, menschlich und mit Schwächen und Eigenheiten zu sein.


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