Wenn selbst der Teufel am Kapitalismus scheitert

Aktualisiert: Okt 2

Rezension: Das Buch "A Salesman came to Town" ist 2016 im Selbstverlag erschienen und ist ausschließlich im englischen Original zu lesen.



Es hätte so schön sein können... Ian Campbell wollte mit seinem Buch "A Salesman came to Town" eine spannende Geschichte erzählen über einen vom Glauben gefallenen Priester, der den Teufel stoppen will. Doch leider hätte dieses Buch noch eine ordentliche Überarbeitung gebraucht.

Vom Glauben gefallener Priest will den Teufel aufhalten


Es geht um John Murdock. Ein kugelrunder Priester, der kurz davor ist, in die Alkohol-Sucht abzurutschen. Er beschreibt sich selbst als "crappy priest" also schlechter Priester. Und ausgerechnet er ist der Auserwählte. Er soll den Teufel aufhalten. Allerdings ist das kein Wesen mit Hörnern und Ziegenfüßen, sondern ein smarter, gut gelaunter CEO eines Internationalen Unternehmens. Als Luke Devin hat er sich und die Hölle als Apple Corp neu erfunden. Es gab also ein Re-branding.


Daher taucht in jeder großen Stadt der Welt ein Apple Corp-Hauptquartier plötzlich aus dem Nichts auf, das nur eine Handvoll Menschen sehen kann.

Teufel und Dämonen gehen nun über Werbung in die Kundenaquise, um die Seelen der Menschen zu sammeln, denen sie alles Mögliche als Gegenleistung versprechen: Sogar eine Seelen-zurück-Garantie.

Tolle Buch-Idee - an der Umsetzung hapert es

Die Idee ist an sich gut. Es gibt viele wirklich lustige Stellen. Zum Beispiel gibt es gleich im Prolog, eine absurd-lustige Situation, in der die Prophezeiung überbracht wird. Hier kommt ein Priester mitten in der Nacht bei schlechtestem Wetter an einem Burgtor an und anstatt seinem Weg zu folgen, fällt der Fokus auf die beiden Burgwächter. Die nun ziemlich genervt sind, dass immer jemand zu den unmöglichsten Zeiten dringend in die Stadt muss. Und dann wird man nicht einmal gegrüßt und es gibt auch keinen Dank.


Witzig ist auch zu sehen, wie die Hölle unter dem Kapitalismus leidet.

Selbst Dämonen und Höllenhunde müssen bestimmte Zahlen erreichen und dürfen keine Gewerkschaft gründen. Und schließlich werden sie durch billigere Arbeitskräfte ersetzt, die den Job nicht einmal halb so gut machen.


Also gibt es viele schöne Ideen.

Aber ....


... das Buch hätte ein gutes Lektorat gebraucht. Teilweise Beschreibung von unwichtigen Nebencharakteren viel zu lang. Info Dump at its worst.

Teilweise wurden sogar Namen vertauscht.

Das Buch ist im auktorialen Stil geschrieben, der mittlerweile ja eher unbeliebt ist. Tatsächlich ist er auch nicht gut umgesetzt, teilweise hüpft man so schnell von Kopf zu Kopf, dass es ab und zu verwirrend wird.


Und auch inhaltlich weist die Handlung deutliche Löcher auf, die einen als Leser unzufrieden zurücklässt. Zum Beispiel wird nie erklärt, warum Father Murdock der Auserwählte ist, obwohl sein Umfeld es vorher vermutet hat.

Man weiß auch nie, wie die Vorgänger den Teufel in Schach gehalten haben.

Außerdem haben die Auserwählen keinerlei Fähigkeiten, außer die Möglichkeit ins Hauptquartier zu gehen und die Regeln zu lesen und eine magische Tür zu nutzen, die der Teufel sogar zur Bereitschaft stellt.

Und schließlich implodiert das Finale ein wenig.


Was kann man als angehender Autor lernen?


Es gibt also viele Punkte, die leider den Lesegenuss einschränken. Wirklich Schade, aber zumindest als angehender Autor lernt man bei dieser Lektüre viel - zumindest, wie man es nicht machen sollte.

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