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Wer spricht hier eigentlich? Und warum? - Perspektive und Point of View (PoV)

Bevor das Schreiben des Romans beginnt, müssen zumindest ein paar Rahmendaten geklärt sein: Welche Figuren gibt es? Wo spielt die Geschichte? Wie fängt sie an? Und wer erzählt eigentlich? Das Thema Point of View (PoV) ist komplexer, als es auf den ersten Blick aussieht. Welche Erzählperspektive wird wofür genutzt? Wie viele Perspektiv-Charaktere sind für eine Geschichte sinnvoll? Was sind Vor- und Nachteile verschiedener Perspektiven? Und warum ist es eigentlich so schwer, aus verschiedenen Perspektiven zu schreiben?



Was ist der Point of View?


Das Konzept PoV beschreibt zwei Dinge:

  1. Die Erzählperspektive, mehr dazu gibt es in dieser Folge.

  2. Die Perspektivfigur

Weitere Informationen zu A) gibt es in diesem Blogpost. Hier soll es vor allem um B), also die Perspektivfigur gehen.

Eins, zwei, viele


Wenn kein auktorialer Erzähler gewählt wird, dann gilt als Faustregel, dass pro Szene oder Kapitel nur eine Figur in den Fokus rückt. Diese Figur muss aber nicht über den gesamten Roman hinweg Perspektivträger:in bleiben. Es kann eine einzige Hauptfigur geben, die wir als Leser:innen die ganze Zeit begleiten, die Geschichte kann aber auch aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. So werden bspw. zahlreiche New Adult oder Romance-Geschichten aus Sicht von Pro- und Antagonist:in im Wechsel erzählt.


Auch wenn eine Geschichte besonders komplex ist, kann es sinnvoll sein, verschiedene Charaktere zu Wort kommen zu lassen, um einen Sachverhalt umfassend darzustellen. Das ist zum Beispiel im Bereich Sci-Fi häufig der Fall. Der Vorteil von mehreren Perspektiven ist hier auch, dass das Tempo der Handlung gesteuert werden kann, indem wir immer dahin springen, wo es gerade spannend ist.


Was gilt es zu beachten, wenn eine Figur in den Fokus rückt?


Werden mehrere Figuren als Perspektiv-Charaktere gewählt, dann gilt es einiges zu beachten. An Haupt- bzw. Perspektivfiguren stellen wir als Leser:innen andere Anforderungen, als an Nebenfiguren. Wir erwarten eine gewissen Tiefe, eine Entwicklung über den Roman hinweg und Aktivität. Außerdem vertrauen wir Perspektivfiguren, ein Umstand, mit dem wir als Autorinnen gut spielen und ihn bewusst einsetzen können.


Grundsätzlich sollte es einen Grund geben, aus dem eine Figur zu einer Perspektivfigur wird. Die Geschichte muss die Perspektive hergeben. Ohne Mehrwert für die Handlung sollte eine Figur nicht in den Kreis der Perspektivträger aufgenommen werden.


Warum überhaupt mehrere Perspektiven?


Es gibt mehrere Gründe, aus denen verschiedene Perspektiven sinnvoll sein können. Zum Beispiel, wenn nicht eine Figur, sondern ein Thema im Fokus steht, das aus mehreren Perspektiven betrachtet werden soll, wie bei Der Schwarm von Frank Schätzing. Oder es geht um eine Gruppe von Figuren, wie bei Pretty Little Liars von Sara Shepard. So können Ereignisse und Eindrücke geschildert werden, die einer einzelnen Figur nicht zur Verfügung stehen. Ebenfalls können mehrere Perspektiven helfen, wenn die Innen- und Außensicht bzgl. einer Figur eine zentrale Rolle spielt, oder wenn verschiedene Figuren über einzelne Puzzleteile verfügen, die zusammen die Geschichte ergeben. Natürlich spielen hier auch Genrekonventionen und -erwartungen eine Rolle. Und nicht zuletzt hat man bei mehreren Perspektivträgern die Möglichkeit, einzelne Protagonist:innen sterben zu lassen.


Mit jeder zusätzlichen Perspektive steigt allerdings auch die Komplexität, nicht nur für die Leser:innen, sondern vor allem für uns als Autor:innen. Daher sollte gut abgewägt werden, bevor eine Perspektive hinzugefügt wird.

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