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What the hell ist eine Prämisse?

Aktualisiert: März 4

Bei der Prämisse scheiden sich die Geister. Für einige Autoren ist sie ein unumgängliches Werkzeug für andere nur vergeudete Liebesmüh. Aber was ist eine Prämisse überhaupt?


Prämissen in der Logik


Die Prämisse kommt von dem lateinischen Wort praemissum = das Vorausgeschickte. Es wird definiert als der erster Satz eines logischen Schlusses. Man kann es so auch als Behauptung oder Annahme bezeichnen. Ein Beispiel:


Aus: Alle Bäume wachsen. (Prämisse)


Und: Eichen sind Bäume. (Prämisse)


Wird: Also wachsen alle Eichen. (Konklusion)


Prämissen in der Literaturwissenschaft


Die Behauptung bzw. der logische Schluss muss nur innerhalb der Geschichte gültig sein.



1946 hat der Journalist und freie Schriftsteller Lajos Egri (1888- 1967) in seinem Standard-Werk Dramatisches Schreiben die Prämisse zum ersten Mal mit der Erzähltheorie in Verbindung gebracht. Er sagt: Ohne gute Prämisse auch kein guter Roman.

"Die Prämisse ist die Essenz dessen, was eine Geschichte zu beweisen versucht."


Aber wie sieht eine gute Prämisse aus?

Sein Beispiel: Extreme Sparsamkeit führt zu Verlust

"Der erste Teil dieser Prämisse spielt auf einen Charakter an – einen sparsamen Charakter. Der zweite Teil – „führt zu“ – verweist auf einen Konflikt, und der dritte, „Verlust“, auf das Ende des Stückes."

Für Egri beinhaltet die Prämisse also immer: Protagonist, Konflikt und Auflösung.

Doch die Prämisse behandelt mehr die Entwicklung des Charakters, bzw. sie gibt der Entwicklung ein konkretes Ziel. Es ist aber nicht zu verwechseln mit dem Ziel des Charakters ("Want und Need"). Das ist ein anderes Thema.

Die Prämisse soll den Autoren und Autorinnen vor allem bei der Überarbeitung helfen. Dementsprechend sollte sie spätestens pünktlich zur Überarbeitungsphase ausformuliert werden. Mit ihrer Hilfe soll man herausfinden können, ob eine Szene diesem Ziel dienlich ist. Oder ob sie einfach nur ein hübsches Beiwerk ist. Sie wird damit auch als Kompassnadel des Buchs bezeichnet.

Streng interpretiert, soll jedoch jede Szene, die nicht der Prämisse entspricht, gestrichen werden.

Allerdings finden wir diese Taktik schon sehr harsch. (Anm. d. Red.)


ABER: Prämisse ist nicht gleich Moral


Die Prämisse eines Buches kann auch höchst unmoralisch sein. Zum Beispiel: Lügen führt zum Erfolg oder Mord führt zu Glück.

Doch die Moral ist etwas, was eine Geschichte uns versucht zu lehren. Es gibt sie heutzutage eher in Kinderbüchern, als in der allgemeinen Belletristik. Die Moral wäre zum Beispiel:


"Wer anderen Menschen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein."

oder


"Lügen ist schlecht." Bzw. "Lügen haben kurze Beine."

Unabhängig von Kinderbüchern ist Moral kein feststehender Begriff. Je nach Gesellschaftsform sind andere Werte moralisch oder unmoralisch. Nehme man ein Beispiel wie: Nutze ein Kondom. Kann das in einigen Religionen als unmoralisch betrachtet werden.



UND: Prämisse ist nicht gleich Thema

Themen sind übergeordnete Ideen einer Geschichte. Sie bestehen meist nur aus einem Wort und kehren in der Literatur immer wieder.

Zum Beispiel:

Freundschaft

Freiheit

Liebe

Rache

etc


Beispiel: Prämissen bekannter Romane

Harry Potter

Liebe ist stärker als Hass


Romeo und Julia

Verbotene Liebe führt zum Tod

Herr der Ringe

Die kleinen Leute werden zu den größten Helden

Game of Thrones

Bedenke, dass du sterblich bist. Und hoffe, dass dein Tod ein spektakulärer ist.

oder etwas seriöser:


Alle Menschen sterben

Tribute von Panem


Es reicht eine Stimme um eine Revolution ins Rollen zu bringen

oder:

Ein selbstlose Tat gibt einer Nation Hoffnung

50 Shades of Grey

mit einem Augenzwinkern 😅

Man muss nicht schreiben können, um einen Bestseller zu landen


Zum Mitnehmen

Die Aufgabe ist heute nicht, eine Prämisse für euer aktuelles Projekt festzulegen. Denn es geht erst einmal darum, ein besseres Gefühl für Prämissen zu bekommen. Sucht euch zwei Eurer Lieblingsbücher heraus und guckt, was für eine Prämisse die Autoren dort gesetzt haben.

Lasst euch auch von den Beispielen inspirieren.

Schreibt uns Eure Beispiele hier als Kommentar.






Wie geht ihr beim Schreiben Eures Buches vor? Setzt ihr eine Prämisse oder findet ihr das zu hochgestochen?



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