Worldbuilding: Wie erschaffe ich eine neue Welt?

Aktualisiert: Okt 2

Schon Pipi Langstrumpf sagte, sie baut sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Doch was hat es mit dem Worldbuilding, also mit dem erschaffen von literarischen Welten eigentlich auf sich?



"Die Aufgabe der Literatur ist, aus dem rohen Material des wirklichen Lebens eine neue Welt zu erschaffen, die herrlicher, dauernder und wahrhaftiger sein wird als die Welt, auf die das gewöhnliche Auge blickt und durch welche die gewöhnlichen Naturen ihre Vollendung zu verwirklichen trachten." - Oscar Wilde

Was ist Worldbuilding?

Worldbuilding ist die fiktive Erschaffung einer eigenen Welt beziehungsweise die Erschaffung einer fiktiven Welt. Und es ist der Punkt an dem man als Fantasy- oder Science-Ficiton-Autor nicht drumherum kommt. Doch auch in anderen Genres spielt dies eine große Rolle.

Dabei ist diese neue Welt mehr als nur eine Umgebung. Die Welt wird selbst zum Protagonisten.


Es gibt Autoren, die erschaffen andere Welten oder Universen mit eigener Ökonomie, Regierung, Gesellschaften, Klassensysteme oftmals sogar andere Sprache, Geschichte, manchmal auch andere physikalische Grundsätze, Flora, Fauna, Kultur und nicht zuletzt Magie bzw. Technik.


Aber das muss nicht sein:

Eine Geschichte kann auch an einem ganz kleinen Ort spielen. Um unser Lieblingsbeispiel zu nennen: In der Verwandlung von Kafka ist diese Welt auf ein einziges Zimmer beschränkt.

Also: Wenn es richtig angegangen wird, taucht man als Leser in diese Welt ein, wie auch immer sie aussehen mag.

Das Paradebeispiel

J. R. R. Tolkien gilt als Meister in der Erschaffung von Welten bzw. der Welt Mittelerde. Er hat 12 Jahre an Herr der Ringe geschrieben. Er hat sich vor allem auf die Sprache konzentriert

und dann eine Welt erschaffen, in der sie Realität sein könnte


"Der Erzähler schafft eine Sekundärwelt, die unser Geist betreten kann. Darinnen ist ‚wahr‘, was er erzählt: Es stimmt mit den Gesetzen jener Welt überein. Daher glauben wir es, solange wir uns gewissermaßen darin befinden. Sobald Unglaube aufkommt, ist der Bann gebrochen; der Zauber, oder vielmehr die Kunst, hat versagt. Und dann sind wir wieder in der Primärwelt und betrachten die kleine, misslungene Sekundärwelt von außen.“ - J. R. R. Tolkien

Doch man muss nicht Jahre nur an dem Aufbau einer Welt sitzen. (Außer man hat da richtig Bock drauf.) Man kann seine Welt auch erschaffen, während man den eigentlichen Roman schreibt. Wichtig ist nur, dass man sich Gedanken darüber macht und klare Regeln setzt, die man nicht plötzlich in der Geschichte bricht.

Wenn zum Beispiel ausschließlich von einem Meer die Rede war, können die Helden nicht plötzlich einen Fluss überqueren.

Wie erfindet man eine Welt?

Man betrachtet zuerst die Gegebenheiten unserer Welt und überlegt dann, wie sie die neue Welt zu unserer unterscheidet. Was ist anders? Warum ist es anders? Und was für Auswirkungen hat das auf die neue Welt und auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und auf die Menschen bzw. auf andere Lebewesen.

Bestes Beispiel: Das Jahr 2020


Nur eine Kleinigkeit hat sich verändert und damit hat sich die ganze Welt verändert: Ein Virus-Erkrankung ist ausgebrochen.

Dadurch ist die Wirtschaft heruntergefahren.

Die Menschen unternehmen Hamsterkäufe.

Es gibt dadurch einen Mangel an Toilettenpapier und Nudeln.

Das Reisen wird eingeschränkt.

Die Natur hat sich kurzzeitig erholt.

Die Menschen machen Home office.

Der digitale Wandel wird vorangetrieben.

Die Menschen müssen Abstand halten, haben kaum Kontakt zu anderen Menschen.

Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch.

Häusliche Gewalt steigt.

Aber auch die Erkenntnis, was in unserem Leben wichtig ist.

Interesse für Mode sinkt. Nicht nur weil viele Geldprobleme haben, sondern weil das wichtigste Mode-Accessoire eine Gesichtsmaske geworden ist.

Es gibt Auflehnung.

Menschen kritisieren die Regierungen und ihr Krisenmanagement.

Es entstehen Gerüchte.

Es entstehen Verschwörungstheorien.

Menschen gehen auf die Straße um Thesen zu vertreten, die grob betrachtet einfach nur lächerlich sind. Aber vor allem ein Ausdruck der Angst und der Unmut der Menschen ist .

Und

und

und ...

Worldbuilding in jedem Genre relevant


An diesem Beispiel merkt man auch, dass der Weltenbau längst nicht nur in Fantasy und Science Fiction eine Rolle spielt. Dort wird bloß viel seltener darüber geredet. Hier ist dann meist vom Setting die Rede.



Wie ausgiebig beschäftigt ihr Euch mit Worldbuilding?


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